Große Emotionen und Leistungen bei Wasserski-DM in Rieste

Rieste. Es war spannend, es war hochklassig und es war emotional – bei der Deutschen Meisterschaft Wasserski Seilbahn kamen die vielen fachkundigen Fans am Dubelausee voll auf ihre Kosten. Einen besonders dicken Applaus gab es für den in Fürstenau groß gewordene Simon Herrmann (Kiefersfelden-Rosenheim), der sich den Titel im Slalom der offenen Männerklasse vor den beiden Lokalmatadoren Felix Dieck und Lukas Ehlmann vom veranstaltenden WSC Alfsee/Rieste sicherte.

Herrmann, der vor neun Jahren aus dem Landkreis Osnabrück nach Süddeutschland zum „FC Bayern des Wasserski“ gewechselt war und sich zu einer Legende entwickelte (28 x DM, 6 x EM, 2 x WM, 2 x Weltrekord), musste mit seinen Gefühlen kämpfen. „Es war emotional, wenn man nach Hause kommt. Deshalb war ich froh, dass ich den Titel eingefahren habe.“

So manch einer hatte einen souveränen Sieg erwartet, doch Felix Dieck (30) aus Lienen, der nach fünfjähriger Pause mit einem vielumjubelten Comeback überraschte, und der Quakenbrücker Youngster Lukas Ehlmann (21), boten dem 34-jährigen haushohen Favoriten im Kampf um die sechs Bojen bis zum Schluss gewaltig Paroli. Alle Drei waren bei einer Bahngeschwindigkeit von 58 km/h von 18,25 Meter bis auf eine Leinenlänge von 12 Metern durchgefahren. Ehlmann patzte dort nach der zweiten Boje, Dieck erst nach der dritten. Und Herrmann? Der schaffte als letzter Starter so eben die vierte – bei einem Weltrekord von einer 9,50m-Leinenlänge eher durchschnittlich. „Egal, es hat gereicht“, waren Herrmann die Gefühle nach dem knappen Sieg anzusehen. Beste Laune herrschte bei Dieck und Ehlmann, der neben seinem dritten Platz im Slalom auch Bronze in der Kombi-Wertung aus Trickski (9.), Slalom (3.) und Sprung (5.) bejubelte. „Das ist natürlich super, wenn man mit so einer Legende wie dem Simon auf dem Treppchen steht. Damit hab ich niemals gerechnet“, strahlte Ehlmann, dem noch die Zukunft gehören dürfte. „Ich hatte schon eine schlaflose Nacht, und bin völlig überrascht. Ich trainiere erst wieder seit Juni“, zeigte sich Vizemeister Dieck überglücklich.

Bei den Frauen war Jana Wittenbrock (ebenfalls Kiefersfelden) im Slalom wie erwartet eine Klasse für sich. Bei einer solchen Vielzahl an Spitzenathleten, wie auch U19-Star Felix Astner, war der Mannschaftstitel für die Süddeutschen (vor Friedberg, Kalletal und Alfsee/Rieste) nur Formsache. Weltrekordhalterin Wittenbrock verfehlte im Slalom hauchdünn ihre Bestleistung bei einer Leinenlänge von 10,25 Meter und einer Boje (WR 10,25/3). „Das war schon hart, so oft zu fahren. Ganz schlecht war das aber nicht“, sagte die 31-jährige zweifache Ex-Weltmeisterin, die beruflich bedingt die EM am nächsten Wochenende in weißrussischen Minsk sausen lassen muss. „Mein Highlight dieses Jahr war der Weltcupsieg im Frühjahr mit dem Weltrekord.“

Aus Sicht der Gastgeber sorgte der Deutsche Meistertitel von Lara van de Sand im Springen der U19-Juniorinnen für beste Stimmung. Die 17-Jährige holte sich zum dritten Mal in Folge den DM-Titel, profitierte jedoch ein wenig vom Sturz ihrer Konkurrentin Laura Hillenbrand. Van de Sand gewann im Trickski, Slalom und der Kombination außerdem drei Silbermedaillen. Von den acht Alfsee-Startern erreichten Sina van de Sand (U15, 3. Trick, 3. Slalom) sowie Jan Bach (U15, 3. Slalom) weitere Podestplätze.

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Spektakulär verlief abschließend das Springen über die Schanze. Hier war bei den Männern Robin Senge (Kassel, 53,0 m) nicht zu schlagen. Bei den Frauen sprang Jana-Cathreen Meier (Kiefersfelden), die auch die Kombi-Wertung gewann, mit 34,0 Metern am weitesten. Björn Pech (St. Leon Rot) war bester Kombinierer bei den Männern.

Der WSC Alfsee/Rieste zeigte sich zum dritten Mal nach 1988 und 2011 als perfekter DM-Gastgeber. Der WSC-Vorsitzende Markus Hörnschemeyer, der mit dem wortgewaltigen Sprecher Dennis Lindemann und anderen viele gute Helfer hatte, zog ein positives Schlussfazit. „Mir platzt ein wenig das Herz bei den super Platzierungen, gerade auch bei den Junioren. Es ist alles super gelaufen. Den Sturz beim Springen hätten wir aber nicht mehr gebraucht.“

Von Peter Vorberg

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